Beschreibung
Die Kirche war der größte Grundbesitzer im spätmittelalterlichen Schottland: Bischöfe, Äbte und Prioren verfügten über Land und Leute, Einkünfte sowie Gerichtsrechte. Dennoch wurden sie und ihre Herrschaftsgebiete als integrale Bestandteile der politischen und sozialen Ordnung des Königreichs von der Forschung kaum beachtet. Sebastian Weil schließt diese Lücke mit einer grundlegenden Studie zu den Diözesen Aberdeen und St. Andrews sowie zur Abtei Arbroath.
Anhand einer breiten Auswertung von Urkunden, Registern, Pachtverträgen und weiteren Verwaltungsquellen zeigt das Buch, wie geistliche Herrschaft im spätmittelalterlichen Schottland funktionierte: in der Kontrolle von Land und Leuten, in der Organisation von Gerichtsbarkeit, in der Verwaltung von Einkünften und in Konflikten mit umliegenden Herrschaftsträgern. Dabei wird deutlich, dass geistliche Würdenträger nicht nur Hirten in ihren Sprengeln, sondern immer auch Landesherren waren. Ihre spirituelle Autorität war eng mit dem Zugriff auf wirtschaftliche Ressourcen und der Ausübung weltlicher Herrschaft verknüpft.
Die Studie eröffnet damit neue Perspektiven auf die schottische Kirchen- und Politikgeschichte und leistet zugleich einen Beitrag zu einer europäisch vergleichenden Landes-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.
AUTOR
Sebastian Weil hat Geschichte und Amerikanistik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der University of Glasgow studiert. Die vorliegende Dissertation entstand im Rahmen des DFG-Projekts „Man-Rent or Land-Rent“ an der JGU Mainz. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Stadt- und Verfassungsgeschichte, der Geschichte der britischen Inseln im Mittelalter sowie der Diplomatik. Aktuell ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte an der Universität Kassel.
