Gendering Tradition

Ulrike Gleixner und Erika Hebeisen (Hg.)

Gendering Tradition

Erinnerungskultur und Geschlecht im Pietismus

296 Seiten mit 26 Abbildungen
16,5 x 23,5 cm, Broschur
€ 29,–
ISBN 978-3-939020-41-7

Die Abbildung auf dem Umschlag zeigt, wie ein entflammtes Herz – Sinnbild einer über Emotion kultivierten Frömmigkeit – von einer Frauenhand weitergereicht wird. Die pietistische Erinnerungskultur und wissenschaftliche Traditionsbildung stehen in starker Spannung zu diesem Emblem. Entweder tilgte die gruppeninterne oder die professionelle Geschichtsschreibung den aktiven Beitrag von Frauen zur pietistischen Bewegung, oder sie reduzierte diesen auf eine allein private und stille Frömmigkeit. So erscheint die pietistische Laienbewegung in der Rückschau und entgegen den historischen Belegen als ein Kristall reiner Männlichkeit. Die beiden Herausgeberinnen haben Beiträge versammelt, die in der Summe zeigen, dass Frauen in der pietistischen Bewegung eine überaus aktive Rolle spielten und dass eine Geschichtsschreibung, die diesen Zusammenhang ausblendet, männliche Identitätspolitik betreibt.

Inhalt

Ulrike Gleixner: Erinnerungskultur, Traditionsbildung und Geschlecht im Pietismus. Einleitung; Jutta Taege-Bizer: Erinnerungskulturen in Adel, Pietismus und Wissenschaft. Gräfin Benigna von Solms-Laubach (1648–1702); Marianne Jehle-Wildberger: Zwischen Heiligsprechung und Domestizierung. Anna Schlatter-Bernet (1773–1826); Erika Hebeisen: Genealogisch. Zur geschlechterspezifischen Tradierung der Deutschen Christentumsgesellschaft; Mirjam de Baar: Internationale und interkonfessionelle Netzwerke. Zur frühen lutherisch pietistischen Rezeption von Anna Maria van Schurman und Antoinette Bourignon; Eva Kormann: Traditionsbildungen des radikalen Pietismus. Zur Rezeption von Anna Vetters Visionen; Ruth Albrecht: Vom Verschwinden der Theologie zugunsten der Biographie. Zur Rezeption Johanna Eleonora Petersens; Gisela Mettele: Das Gedächtnis der Bilder. Malerei und Memoria in der Herrnhuter Brüdergemeine; Veronika Jüttemann: Erinnerung macht Geschlecht. Das Pfarrer- und Diakonissenbild des ostwestfälischen Protestantismus 1870–1918; Ursula Caflisch-Schnetzler: Im Spannungsfeld zwischen Pietismus und Aufklärung. Johann Caspar Lavater »auf dem öffentlichen Schauplatze der Welt«; Fritz Osterwalder: Die Pädagogik der Erinnerungskultur aus pietistischer Quelle. Zur Stilisierung Heinrich Pestalozzis; Elisabeth Joris: Ein Prozess als Angelpunkt. Zur Biografisierung der pietistischen Heilerin Dorothea Trudel; Britta Klosterberg: Gedächtnisspeicher des Pietismus. Quellen zu Männer und Frauen in Archiv und Bibliothek der Franckeschen Stiftungen zu Halle; Andrea Kittel: Genauer hingeschaut. Weibliche Überlieferung in Familien- und Institutionsarchiven; Christel Köhle-Hezinger: Hören, Schreiben, Lesen, Schweigen. Zur Tradition pietistischer Memoria im Spiegel der Geschlechter.

Herausgeberinnen

Ulrike Gleixner ist Historikerin und leitet die Abteilung Forschungsplanung und Forschungsprojekte an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.
Erika Hebeisen ist Historikerin und Dozentin am Historischen Seminar Basel. Neben ihrer Forschungstätigkeit vermittelt sie Geschichte in Form von Ausstellungen und Publikationen für ein breites Publikum.