Fehdeführung im spätmittelalterlichen Reich

Band 7

Julia Eulenstein, Christine Reinle und Michael Rothmann (Hg.)

Fehdeführung im spätmittelalterlichen Reich

Zwischen adeliger Handlungslogik und territorialer Verdichtung

488 Seiten mit 2 s/w Abbildungen und 4 Graphiken
16,5 x 23,5 cm, gebunden
€ 69,–
ISBN 978-3-939020-27-1

Seit den 1990er Jahren wurde Otto Brunners Interpretation von Fehdeführung als einem anerkannten Rechtsinstitut im römisch-deutschen Reich neu diskutiert und z. T. herausgefordert. Als fruchtbar hat sich die theoretische und methodische Ausweitung der Zugangsweisen erwiesen. Fallstudien haben außerdem die Notwendigkeit nahegelegt, anhand einer bestimmten Region entwickelte Modelle stärker als bisher geschehen auf ihre Verallgemeinbarkeit hin vergleichend zu hinterfragen. Dies gilt etwa für die Frage nach dem sozialen Stand der Fehdeführer, nach dem Anteil fürstlicher oder adliger Initiative bei Fehdeführung sowie nach den Chancen beider Seiten, das Mittel der Fehde zur Strukturierung von Beziehungen einzusetzen, nach dem Regelwerk der Fehde und nach dem Verhältnis von Fehde, Recht und Herrschaft. Der vorliegende Band, der auf eine internationale, von der Fritz Thyssen Stiftung finanzierte Tagung an der Universität Gießen im Jahre 2009 zurückgeht, nimmt diese Impulse auf.

Inhalt

Christine Reinle: Einleitung; Kurt Andermann: umb ansprache, die ich zu uch han. Spätmittelalterliche Fehde im Spiegel der Absagen an Bischof Reinhard von Speyer; Steffen Krieb: Fehden in der Politik Markgraf Bernhards I. von Baden; Julia Eulenstein: Statt Krummstock das Schwert: Erzbischöfliche und adlige Fehdeführung im Erzstift Trier an der Wende zum 15. Jahrhundert; Christine Reinle: Die mühsame Etablierung einer »neuen« Herrschaft: Die Landgrafen von Hessen im Ringen mit dem hessischen Adel; Michael Rothmann: Adlige Eigenmacht und Landesherrschaft: Die Fehde als politisches Instrument in Thüringen und Meißen; Harald Winkel: Die Fehdepolitik Markgraf Wilhelms I. von Meißen; Uwe Tresp: Erbeinung und Fehde zwischen Sachsen und Böhmen: Die Fehde des Jan von Lobkowitz auf Hassenstein gegen die Albertiner (1493–96); Regina Schäfer: Fehdeführer und ihre Helfer. Versuch zur sozialen Schichtung von Fehdenden; Niklas Konzen: Hans von Rechberg und sein Netzwerk als Fehdehelfer des Heinrich von Eisenburg, ca. 1451–53: Eine prosopographische Analyse; Gabriel Zeilinger: Die wirtschaftlichen Folgen einer überregionalen Fehde im 15. Jahrhundert. Handel und städtische Finanzen im Alltag des zweiten süddeutschen Städtekriegs 1449/50; Michael Jucker: Rauben, Plündern, Brandschatzen: Kriegs- und Fehdepraxis im Spannungsfeld von Recht, Ökonomie und Symbolik; Hillay Zmora: »Nam und Stamm«: Adel, Fortpflanzungserfolg und Zunahme der Fehden am Ende des 15. Jahrhunderts; Daniel Bagi: Fehdeähnliche Privatkriege im Östlichen Mitteleuropa im Mittelalter – Der Fall Ungarns; Alexander Jendorff: Fehde oder Mord? Gerichtliche und außergerichtliche Argumentationsstrategien als Adeligkeitsdiskurs am Beispiel des Prozesses des Mainzer Kurfürsten gegen Barthold von Wintzingerode 1574/75; Eberhard Isenmann: Weshalb wurde die Fehde im römisch-deutschen Reich seit 1467 reichsgesetzlich verboten? Der Diskurs über Fehde, Friede und Gewaltmonopol im 15. Jahrhundert.

Herausgeber

Julia Eulenstein ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt »Fehdeführung und Territorialisierungsprozess« an der Universität Gießen.
Christine Reinle ist Professorin für Deutsche Landesgeschichte / Geschichte des Spätmittelalters an der Universität Gießen.
Michael Rothmann lehrt als Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Hannover.